Las Vegas wider Willen: Warum ich die Stadt beim zweiten Besuch lieben lernte
Klaus Fischer ·
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Las Vegas beim ersten Besuch gehasst? Geht mir genauso. Doch beim zweiten Mal hat mich die Stadt völlig überzeugt. Entdecken Sie den Strip bei Tag, die Wüste und die neue Kulinarik-Szene.
Ich gebe es zu: Meine erste Reise nach Las Vegas war ein einziges Desaster. Zwölf Stunden Flug, eine schwüle Julihitze von über 40 Grad Celsius und ein Hotelzimmer im zwanzigsten Stock, das nach Zigarettenrauch roch. Ich hasste diese Stadt. Die grellen Lichter, der künstliche Lärm, die endlosen Spielautomaten – alles wirkte auf mich wie ein einziges überteuertes Spektakel. Doch dann, drei Jahre später, gab ich ihr eine zweite Chance. Und dieses Mal hat mich Las Vegas völlig umgehauen.
Wenn Sie sich beim ersten Besuch ähnlich gefühlt haben, verstehen Sie mich sicher. Las Vegas wirkt auf viele Deutsche wie eine einzige große Spielhalle mit angeschlossener Wüste. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Hinter den Fassaden wartet eine Stadt voller Kontraste, Kunst und kulinarischer Höhepunkte.
### Der Strip: Mehr als nur Casinos
Der berühmte Las Vegas Strip erstreckt sich über etwa 6,8 Kilometer. Die meisten Touristen laufen ihn nur nachts ab, wenn die Neonreklamen leuchten. Aber haben Sie den Strip schon einmal bei Tagesanbruch gesehen? Die pastellfarbenen Fassaden der Hotels wirken dann fast surreal. Mein Tipp: Starten Sie früh um sieben Uhr und genießen Sie die Ruhe, bevor die Massen kommen.
Ein besonderes Highlight ist das Bellagio mit seinen berühmten Fontänen. Die Wasserspiele sind kostenlos und finden tagsüber alle 30 Minuten statt. Auch das Venedig-Thema des Venetian mit seinen Gondeln und dem künstlichen Himmel im Innenbereich ist einen Besuch wert. Und wer Architektur mag, sollte sich das kugelförmige Sphere-Gebäude ansehen – es ist das größte kugelförmige Bauwerk der Welt mit einem Durchmesser von 157 Metern.
### Jenseits des Rummels: Die Wüste wartet
Der größte Fehler, den ich beim ersten Mal machte, war, Las Vegas nur als Stadt zu behandeln. Dabei liegt die eigentliche Magie in der Umgebung. Nur etwa 45 Autominuten entfernt beginnt der Red Rock Canyon mit seinen atemberaubenden roten Felsformationen. Die 21 Kilometer lange Scenic Loop ist perfekt für eine Wanderung oder Radtour. Der Eintritt kostet 15 US-Dollar pro Fahrzeug – etwa 14 Euro.
Noch beeindruckender ist der Hoover Dam, rund 50 Kilometer südöstlich der Stadt. Das gigantische Staudamm-Bauwerk ist über 220 Meter hoch und bietet Führungen in den Maschinenraum an. Wenn Sie Glück haben, sehen Sie sogar die neuen Bighorn-Schafe, die sich dort inzwischen wieder ansiedeln.
### Kulinarik statt Glücksspiel
Die Gastronomie-Szene in Las Vegas hat sich in den letzten Jahren dramatisch verbessert. Vergessen Sie die billigen Buffets – die sind zwar günstig, aber nicht das wahre Erlebnis. Stattdessen empfehle ich Ihnen das Restaurant „Bardot Brasserie" im ARIA Resort. Dort gibt es den besten Steak Frites, den ich außerhalb von Paris gegessen habe. Ein Abendessen für zwei Personen mit Wein kostet dort rund 180 Euro – nicht billig, aber jeden Cent wert.
Wer es bodenständiger mag, findet im „Peppermill“ ein legendäres Diner aus den 1970er-Jahren. Die Portionen sind riesig, die Cocktails stark und die Einrichtung erinnert an eine Zeit, in der Las Vegas noch etwas verrucht war. Ein Frühstück kostet dort etwa 15 Euro pro Person.
### Praktische Tipps für Ihren Besuch
- **Beste Reisezeit:** Oktober bis April, wenn die Temperaturen zwischen 15 und 25 Grad Celsius liegen. Im Sommer ist es oft unerträglich heiß.
- **Fortbewegung:** Mieten Sie ein Auto. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind zwar günstig, aber die Freiheit eines eigenen Wagens ist unschlagbar.
- **Hotelwahl:** Buchen Sie ein Zimmer ab dem zwanzigsten Stock – die Aussicht über die Stadt bei Nacht ist atemberaubend.
- **Geld sparen:** Viele Hotels erheben tägliche Resort-Gebühren von 40 bis 50 US-Dollar. Vergleichen Sie die Preise genau.
Meine zweite Reise hat mich gelehrt, dass Las Vegas kein Ort für oberflächliche Besuche ist. Man muss sich Zeit nehmen, die Widersprüche aushalten und die Stadt auf mehreren Ebenen entdecken. Dann wird aus dem Ort, den Sie beim ersten Mal vielleicht gehasst haben, ein Reiseziel, das Sie nie vergessen werden.